[BA] ŽRS verliert 60 % des Aufkommens

Schwere Schläge für die Schwerindustrie und die staatliche Eisenbahn Željeznice Republike Srpske (ŽRS) in Bosnien-Hezegowina. Schien die Zukunkunft des integrierten Stahlwerkes in Zenica sowie des versorgenden Eisenerzbergwerkes in Prijedor nach dem im Sommer 2025 erfolgten Verkauf von ArcelorMittal an die Pavgord-Gruppe zunächst gesichert, erfolgten Anfang 2026 erhebliche Einschnitte:

Die Kokerei in Lukavac im Nordosten des Landes hat am 24.02.2026 die Produktion nach 70 Jahren offiziell eingestellt. Das Unternehmen beschäftigte fast tausend Mitarbeiter, der gesamte Komplex mit seinen fünf Betriebseinheiten (Kokerei, Maleinsäureanhydridwerk, Düngemittelwerk, Kraftwerk und Wartungswerk) erstreckt sich über eine Fläche von etwa einer Million Quadratmetern.

Nahezu zeitgleich teilte der Minenbetreiber Nova Ljubija in Prijedor am 27.02.2026 die Einstellung der Eisenerztransporte Omarska – Zenica mit. Eine Insolvenz ist wahrscheinlich, betroffen sind 600 Mitarbeiter.

Für die ŽRS entfällt somit 60 % des Frachtaufkommens:

  • Jährlich 1,5 Mio. t Fertigprodukte, Koks und andere Rohstoffe im Umfang von 5 Mio. KM (2,6 Mio. EUR).
  • Jährlich 1,4 Mio. t Eisenerz, Sekundäreisen und andere Rohstoffe im Umfang von 19 Mio. KM (9,7 Mio. EUR)

Betroffen sind rund 1.700 Eisenbahner. Eine geringe Kompensation soll mit dem Einstieg in die Koksimporte in Kooperation mit der Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ZFBiH) aus mitteleuropäischen Ländern sowie vom Hafen Ploče zum Stahlwerk erreicht werden.

ZRS 441 | Doboj (Republika Srpska - BiH)

[BA/HR] Una-Bahn soll BiH an die EU anschließen

Grafik: Arbalete / wikipedia

Kroatien und Bosnien und Herzegowina beabsichtigen seit Jahren, die grenzüberschreitende Strecke (Novi Grad –) Bihać [BA] – Knin [HR] wiederzubeleben. Bereits im Mai 2017 wurde eine „Initiative zur Inbetriebnahme der Una-Bahn“ unterzeichnet.

Der stellvertretende kroatische Premierminister und Minister für See, Transport und Infrastruktur Oleg Butković sagte nun am 21.01.2026 bei einem Treffen in Zagreb mit Edin Forto, dem Minister für Kommunikation und Verkehr von Bosnien und Herzegowina (BiH), dass Kroatien bereit sei, den Wiederaufbau der Una-Eisenbahn voll zu unterstützen und Schienenverkehrsdienste zwischen den beiden Ländern zu starten. Kroatien befindet sich in einer Phase wichtiger Investitionen in die Eisenbahn, im Rahmen dessen in den nächsten zehn Jahren etwa 6 Mrd. EUR investiert werden.

In Bosnien und Herzegowina läuft derzeit eine Studie für die Wiederbelebung der Strecke, die klare Lösungen und Maßnahmen festlegen sowie die Kosten für dieses Projekt abschätzen soll.

Die Sanierung und Wiedereröffnung der Una-Bahn gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte zur Stärkung der Bahnverbindungen zwischen Bosnien und Herzegowina und Kroatien, aber auch zur regionalen Anbindung, sie verbindet außerdem die kroatischen Städte Split und Zagreb mit Belgrad in Serbien.

Die Strecke ist 178 km lang, davon 124 km in Bosnien und Herzegowina und 54 km in Kroatien, ein großer Teil der Trasse verläuft entlang der Grenze und überquert an sieben Stellen die Grenzen der beiden Länder. In der Vorkriegszeit wurden jährlich 1,5 Mio. Fahrgäste und 4 Mio. t Fracht auf ihr transportiert. Derzeit wird der Abschnitt Loskun – Kulen Vakuf – Martin Brod – Knin nicht instandgehalten und verfällt.

Die Una-Bahn ermöglicht höhere Geschwindigkeiten als die Lika-Bahn Oštarije – Knin, und ist auch für Kroatien von besonderem Interesse, da sie insbesondere für den Güterverkehr eine große Kapazität für Verkehre zu und von den Häfen Split, Šibenik und Zadar bieten kann.

[BA/HR] TransFER Tuzla–Rijeka startet

Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) startet am 03.12.2025 das neue Produkt TransFER Tuzla–Rijeka mit einem wöchentlichen Rundlauf und einer Kapazität von 76 TEU. Bedient werden das AGCT-Terminal im Mittelmeerhafen sowie das Tuzla Container Terminal der RIVA ADRIA Logistic am Bahnhof Bosanska Poljana. Dies ist die erste Verbindung dieser Art in Bosnien-Herzegowina und eröffnet nach ÖBB-Auskunft neue Chancen für eine wichtige Industrieregion.

In Kroatien befördert die ÖBB den Zug in Eigentraktion, in Bosnien-Herzegowina die staatliche Željeznice Republike Srpske (ŽRS) bzw. die Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH).

Grafik: ÖBB Rail Cargo Group

[BA] Republik Srpska: Mehrere Streiks

In der Republik Srpska legen Streiks seit Anfang Oktober 2025 große Teile des Wirtschaftslebens still: Zunächst hatten Arbeiter in der Kokerei von GIKIL (Global Ispat Koksna Industrija Lukavac) nahe Tuzla am 02.10.2025 mit einem unbefristeten Streik begonnen, nachdem die Unternehmensführung auf einen Warnstreik nicht reagiert hatte. Es geht um ausstehende Gehälter, die Anrechnung der Betriebszugehörigkeit und den Erhalt von 800 Arbeitsplätzen. Das Unternehmen ist nach Medienberichten tief verschuldet. Gestreikt wird auch in der Zenica Braunkohlemine wegen ausstehender Löhne und drohender Insolvenz.

Auch bei der Eisenbahngesellschaft Željeznice Republike Srpske (ŽRS) wurde ab 01.10.2025 gestreikt, weil die Augustlöhne noch nicht ausgezahlt wurden. Über die Jahre hat das Unternehmen 160 Mio. EUR Schulden angehäuft. Eine Restrukturierung sollte eigentlich bis Ende 2024 abgeschlossen werden.

Der Streiks in Lukavac und Zenica haben auf die ŽRS und ihre Schwester Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH) starke Auswirkungen: Beide Bahnen transportieren gemeinsam Steinkohle vom Adriahafen Ploce zum Verkoken nach Lukavac und anschließend das Koks zum Stahlwerk in Zenica. Dieses wird auch von der Braunkohlenmine bei Zenica beliefert.

661-267, Rudnik Šikulje - Lukavac

[HR/RS] Maersk-Container erstmals via Ploče

Aufgrund der Überlastung der Häfen an der nördlichen Adria löschte das Containerschiff Contship Eco seine Ladung erstmals im Hafen von Ploče. Von dort aus organisiert ENNA Transport acht Züge mit jeweils 22 mit Maersk-Containern beladenen Waggons zum NELT-Terminal nahe Belgrad. Diese müssen Kroatien, die Föderation Bosnien und Herzegowina, die Republika Srpska und anschließend Kroatien passieren, um schließlich Serbien zu erreichen.

ENNA Transport ist seit 2017 in Ploče tätig und transportierte bislang nur Kohle in die Föderation Bosnien und Herzegowina. Die Intermodalzüge waren insofern für das Unternehmen auf dieser Relation eine Premiere.

[BA] Weniger Schienengüterverkehr in der Republik Srpska

Im Jahr 2024 beförderte Željeznice Republike Srpske (ŽRS), die Eisenbahn der Republik Srpska, 3.717.993 Tonnen Güter, was einem Rückgang von 17 % gegenüber dem Transportvolumen des Jahres 2023 entspricht. Die erzielten Einnahmen aus dem Güterverkehr beliefen sich im Jahr 2024 auf 29.588.570 KM (15 Mio. EUR) und lagen damit um 20 % unter dem Wert von 2023.

Die Hauptgründe für den Rückgang des Güterverkehrs auf der Schiene liegen in erster Linie in den Ausfallzeiten und der rückläufigen Wirtschaftstätigkeit einer bedeutenden Anzahl von Kunden der ŽRS im vergangenen und im laufenden Jahr. Dabei handelt es sich um Arcelor Mittal Prijedor, Elektroprivreda Srbije, GIKIL Lukavac, Alumina Zvornik und Studen Agrana aus Brčko aufgrund von Ausfallzeiten oder Unterbrechungen in der Produktion.

Der Rückgang des Transports von Eisenerz auf der Strecke Omarska – Zenica für den Kunden Arcelor Mittal und die Verringerung der Produktionstätigkeit führten im vergangenen Jahr zu einem Rückgang des Transports von Eisenerz um bis zu 210.000 Tonnen. Auch die Einstellung des Güterverkehrs über den Hafen von Ploče im Jahr 2024 aufgrund einer schweren Naturkatastrophe im Oktober, die zu einer vollständigen Einstellung des Schienengüterverkehrs für einen Zeitraum von vier Monaten führte, hatte einen Rückgang der vertraglich vereinbarten Transportleistungen um 430.000 t zur Folge.

[BH] Unterbrechung der Strecke Sarajevo – Čapljina

Nach Starkregen und Überschwemmungen am 03. und 04.10.2024 hat die Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (Železnice FBiH) den Zugverkehr auf der Strecke Sarajevo – Čapljina auf unbestimmte Zeit eingestellt. Der Mittelmeerhafen Ploče ist somit nicht mehr auf der Schiene erreichbar.

Die Eisenbahnanlagen auf dem Abschnitt Ostrožac – Grabovica wurde auf einer Länge von 17 km schwer beschädigt.

Foto: Železnice FBiH

Wieder Güterverkehr nach Vareš

Am 14.12.2023 wurde die unweit von Sarajevo gelegene Strecke Podlugovi – Vareš wieder in Betrieb genommen. Der Grund dafür ist der bevorstehende Beginn der Ausbeutung von Bodenschätzen in diesem Teil von Bosnien und Herzegowina. Künftig werden fünf Mal pro Woche Güterzüge von Vareš zum kroatischen Adriahafen Ploče fahren. Der Produktionsstart ist für das kommende Jahr geplant. Es wird erwartet, dass jährlich 800.000 t Erz verarbeitet werden. Die produzierten Erzkonzentrate werden auf der Schiene von Vareš nach Ploče und dann zu Gießereien in ganz Europa und darüber hinaus transportiert.

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Die 24 Kilometer lange Strecke nach Vareš war zuletzt 1992 in Betrieb. Die Renovierung wurde teilweise an das britische Unternehmen Adriatic Metals BiH vergeben, das Silber, Zink und Blei in der Region Vareš abbauen wird. Die Instandsetzung begann am 1. Juni dieses Jahres und dauert aufgrund von Verzögerungen noch an. Die Arbeiten sollen bis Ende dieses Monats abgeschlossen sein.

Neue Kohletransporte von Ploče nach Serbien

Künftig bezieht der staatliche serbische Energieversorger Elektroprivrede Srbije (EPS) Kohle über den kroatischen Hafen Ploče. Auf einem Treffen der Beteiligten in Doboj wurde am 23.01.2023 die Menge für dieses Jahr auf 400.000 t festgelegt. Die Beförderung übernehmen die staatlichen Bahnen Željeznica Republike Srpske (ŽRS) sowie Željeznice Federacije Bosne i Hercegovine (ŽFBH) auf dem kurzen kroatischen Abschnitt sowie in Bosnien und Hercegovina bzw. Srbija Kargo in Serbien.

Treffen der Beteiligten in Doboj. Foto: ZRS

ŽRS: Dreijahresvertrag mit ArcelorMittal

Die Eisenbahnen der Republika Srpska (Željeznice Republike Srpske, ŽRS) konnten sich einen Dreijahresvertrag mit dem Stahlwerk der ArcelorMittal in Zenica sichern. Dieser sieht eine jährliche Transportmenge von 1,55 Mio. t Erz während der Laufzeit 2022 bis 2024 vor. Der Rohstoff stammt zum einen aus der Mine der ArcelorMittal Prijedor in Omarska sowie auch aus dem Bergwerk Ljubija nach der Wiederbelebung des Bergwerks und der Sanierung der Bahnstrecke Brezicani – Ljubija.

Der Auftrag ist für die Bahngesellschaft von großer Relevanz: 2021 beförderte die ŽRS insgesamt 4,385 Mio. t, im Vorjahr waren es 3,798 Mio. t.