[DK/DE] Feste Fehmarnbeltquerung: Verspätung eingestanden

Die DB AG hat mit Schreiben vom 23.07.2025 dem Bundesverkehrsministerium der Bundesrepublik Deutschland (BMV) mitgeteilt, dass sich die Umsetzung der Hinterlandanbindung für die feste Fehmarnbeltquerung über 2029 hinaus verzögern wird. Kürzlich zuvor veröffentlichte Unterlagen des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) kamen bereits für den Teilabschnitt Fehmarnsundquerung zu einem ähnlichen Ergebnis.

Als Gründe für eine Anpassung des Zeitplans werden vor allem Schwierigkeiten beim Abschluss der Planungen und der Baurechtserlangung angeführt. Die eingeleiteten Beschleunigungsmaßnahmen können dies nach aktueller Einschätzung nicht mehr in vollem Umfang kompensieren.

Da die dänische Projektgesellschaft Femern A/S in ihrem Geschäftsbericht 2024 ebenfalls ernsthafte Terminrisiken auf dänischer Seite adressiert hat –  verbunden mit der Ankündigung, den weiteren Zeitplan nach Absenkung der ersten Tunnelelemente neu zu bewerten – hat sich das BMV im Sinne des Artikel 22 des gemeinsamen Staatsvertrags nun an die dänischen Partner gewandt und vorgeschlagen, dass die Vorhabenträgerinnen Femern A/S und DB InfraGO AG zeitnah einen an die aktuellen Gegebenheiten angepassten Inbetriebnahmetermin abstimmen.

Historischer Baustart auf Fehmarn

Die Deutsche Bahn (DB) hat mit dem Bau der Schienenanbindung der „Festen Fehmarnbeltquerung“ begonnen. Bereits ab Ende 2029 sollen Züge in nur zweieinhalb Stunden von Kopenhagen durch den Fehmarnbelttunnel über Lübeck bis nach Hamburg rollen. Die entstehende Schienenanbindung ist das entscheidende Verbindungsstück zwischen dem Belt-Tunnel, der Lolland in Dänemark mit der Insel Fehmarn verbindet und dem Festland in Schleswig-Holstein. Den offiziellen Startschuss gaben am 07.12.2023 DB-Infrastruktur-Vorstand Berthold Huber, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sowie Staatssekretärin Susanne Henckel auf Fehmarn.

Der Bund, das Land Schleswig-Holstein, die DB und die Europäische Union investieren gemeinsam rund 3,5 Milliarden Euro in eines der wichtigsten europäischen Verkehrsprojekte. Insgesamt entstehen auf deutscher Seite 88 Kilometer Schienenweg zwischen Puttgarden (auf Fehmarn) und Lübeck neu. Den Belt-Tunnel baut die dänische Femern A/S.

Die Deutsche Bahn startet zunächst mit dem zweigleisigen Ausbau und der Elektrifizierung der 11,4 Kilometer langen Strecke zwischen Puttgarden und der Fehmarnsundbrücke – dem ersten von insgesamt zehn Bauabschnitten. Ab 2026 wird dann parallel an allen Abschnitten zwischen Fehmarn und Lübeck gebaut. Von den 88 Kilometern Gesamtstrecke sind 55 Kilometer als Neubau geplant.

www.anbindung-fbq.de

Fehmarnbeltquerung: Kein Teil-Baustopp

Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) weist darauf hin, dass entgegen anders lautender Pressemitteilungen vom 17.01.2022 das Gericht keinen Baustopp für die Errichtung der sogenannten Festen Fehmarnbeltquerung erlassen hat. Diese Berichte beruhen nicht auf einer Auskunft des Bundesverwaltungsgerichts.

Zwar hat das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung e.V. den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den Vollzug des Planänderungsbeschlusses des Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig Holstein – Amt für Planfeststellung Verkehr – vom 01.09.2021 beantragt. Dieser betrifft die Erteilung einer naturschutzrechtlichen Befreiung sowie Kompensationsmaßnahmen für Eingriffe in Riffvorkommen. Der zuständige Senat hat jedoch lediglich – wie in solchen Verfahren üblich – darum gebeten, bis zu einer Entscheidung über den Eilantrag mit Eingriffen in diejenigen Riffflächen, bzgl. derer gemäß den Urteilen vom 03.11.2020 ein ergänzendes Verfahren durchzuführen war, vorläufig noch nicht zu beginnen, oder etwaige dem entgegenstehende Hinderungsgründe zu benennen. Bislang sind Planfeststellungsbehörden vergleichbaren Bitten des Gerichts stets nachgekommen; andernfalls müsste das Gericht förmlich darüber beschließen, ob die Arbeiten im Bereich der vorgenannten Riffe bis zu einer Entscheidung über den Antrag des Aktionsbündnisses ruhen.

Die Planfeststellungsbehörde und die Vorhabenträger haben Gelegenheit, bis zum 28.01.2022 zu dem Eilantrag Stellung zu nehmen. Vorbehaltlich weiterer Stellungnahmen der Beteiligten wird das Gericht zeitnah über den Antrag entscheiden; ein genauer Zeitpunkt hierfür ist derzeit noch nicht absehbar.

Richter stoppen Arbeiten am Fehmarnbelttunnel

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat Baggerarbeiten für den deutsch-dänischen Fehmarnbelttunnel auf deutscher Seite gestoppt. Damit folgen die Richter einem Antrag des Aktionsbündnisses gegen eine feste Fehmarnbeltquerung, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“. „Das ist ein überraschender und nicht zu unterschätzender Erfolg“, sagte der Anwalt des Bündnisses, Wilhelm Mecklenburg, der Zeitung.

Das Aktionsbündnis hatte am Donnerstag beantragt, dass das Ausbaggern des Tunnelgrabens vor Fehmarn im Bereich von geschützten Riffen untersagt wird, bis das Gericht in etwa drei Monaten über einen Eilantrag des Bündnisses gegen die Arbeiten entschieden hat. In einem Beschluss, der am Freitag getroffen wurde, verlangt das Gericht nun genau das vom Land Schleswig-Holstein: Es sei „sicherzustellen, dass mit Eingriffen in Riffflächen, bezüglich derer gemäß den Urteilen des Senats ein ergänzendes Verfahren durchzuführen war, noch nicht begonnen wird“.

Das schleswig-holsteinische Verkehrsministerium hatte im Zuge dieses „ergänzenden Verfahrens“ im September die Zerstörung der geschützten Riffe auf der Tunneltrasse erlaubt, aber den dänischen Bauherrn Femern AS verpflichtet, an anderer Stelle in der Ostsee vor Fehmarn neue Riffe anzulegen. Das Aktionsbündnis reichte gegen diesen Beschluss des Landes Klage und den Eilantrag ein.

Baustart für den Fehmarnbelt-Tunnel

Im Rahmen einer Spatenstich-Zeremonie wurde am 29.11.2021 der Start der Bauarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel auf deutscher Seite gefeiert. Zu diesem Anlass kamen Politiker, Vorhabenträger und Weggefährten des Projektes auf der Tunnelbaustelle bei Puttgarden zusammen.

Projektstand in Deutschland

Seit das Bundesverwaltungsgericht am 03.11.2020 alle Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss abgewiesen hatte, besteht Baurecht für den Fehmarnbelt-Tunnel in Deutschland. In Dänemark hatte das Parlament 2015 ein Baugesetz für Fehmarnbelt-Tunnel erlassen.

Nachdem auf deutscher Seite bereits 2019/2020 bauvorbereitende Maßnahmen vor allem im Umweltbereich umgesetzt wurden, hat das Lübecker Unternehmen Grothe Bau von Frühjahr bis Herbst 2021 die Baustelle bei Puttgarden erschlossen: So wurden beispielsweise Frisch- und Abwasserleitungen sowie Stromkabel verlegt und Baustraßen errichtet. Außerdem wurden zwei Umspannwerke gebaut, die die Baustelle mit Strom versorgen werden.

Das Areal wurde inzwischen an die beiden Konsortien FLC und FBC übergeben, die die Baustelle derzeit einrichten. Derzeit wird die Baustelle zudem eingezäunt. Im November wurde damit begonnen, auf landwirtschaftlichen Flächen Oberboden abzutragen, der während der Bauzeit zwischengelagert wird.

Auch seeseitig nimmt das Projekt Form an: So wurde im September 2021 mit dem Aushub des Tunnelgrabens im deutschen Teil des Fehmarnbelts begonnen. Im Oktober 2021 hat der Bau der küstennahen Anlagen östlich des Fährhafens Puttgarden begonnen. Zunächst wird der äußere Rückhaltedamm als Teil des Tunnelportals errichtet. Dann folgen die ersten Teile des deutschen Arbeitshafens und der Landgewinnungsfläche.

Projektstand in Dänemark

Auf dänischer Seite wurde im Sommer 2020 mit dem Bau des Arbeitshafens bei Rødbyhavn begonnen. Der Umriss des dänischen Tunnelportals ist bereits gut erkennbar. Mittlerweile ist die Baugrube ausgehoben, und der Rohbau wird für das Portalgebäude vorbereitet.

Auch die Arbeiten an der Fabrik, in der die Tunnelelemente hergestellt werden, laufen. Ende 2023/Anfang 2024 wird dort voraussichtlich mit der Fertigung begonnen. Es ist geplant, das erste Tunnelelement 2024 abzusenken.

Im Juli 2021 haben auf dänischer Seite die Aushubarbeiten für den 18 Kilometer langen Tunnelgraben begonnen. Derzeit sind mehr als 60 Arbeitsschiffe im Einsatz. Auch die Landgewinnung vor der Küste Lollands ist in vollem Gange, insgesamt entstehen rund 300 Hektar Natur- und Erholungsgebiete.