Ein Blick über den Tellerrand – im Bereich SPNV gibt es eine interessante Entwicklung im Markt zu beobachten: Die rund 200 Mitarbeiter starke TRI-Gruppe richtet ihre Unternehmensführung neu aus und präsentiert einen neuen Mehrheitsgesellschafter. Der bisherige Geschäftsführer und Inhaber Tobias Richter (63) zieht sich nach 13 Jahren aus Altersgründen aus dem operativen Geschäft zurück.
Nach den erfolgreichen Wachstumsjahren sei es sein Ziel, neue Impulse zu setzen und die Grundlage für Stabilität und Kontinuität im Unternehmen langfristig zu stärken. Die TRI Train Rental International ist seit der Gründung stark gewachsen – dem Vernehmen nach hat die Investorensuche bereits vor längerer Zeit begonnen. Wohl zum richtigen Zeitpunkt, denn die Marktstution für Sonderverkehre hat sich im vergangenen Jahr radikal verändert. Die Aufträge der TRI waren zuletzt auf ein Minimum eingebrochen. Dies lag einerseits an der aufkommenden Konkurrenz (unter anderem Train Charter Services (TCS)) sowie dem großflächigen Entfall der Ersatzverkehre bei verspäteter Auslieferung von Neufahrzeugen. Bislang ein großes Geschäftsfeld der TRI. In Baden-Württemberg (werden weitere Bundesländer folgen?) ist die „klassische Traktion“ (E-Lok und Wagengarnituren) von Seiten des Verkehrsministeriums bzw. des Aufgabenträgers nicht mehr gewollt.
Personell stellt sich TRI neu auf: Künftig wird die Gruppe vom bisherigen Prokurist Niklas Reimer (CEO) und Stefan Krispin (CGO) in einer Doppelspitze geführt. Reimer verfügt über langjährige operative Erfahrung im SPNV (Keolis, Abellio und die DB-Tochter Regionalverkehre Start) und kennt die TRI-Gruppe seit 2023 aus unterschiedlichen Funktionen. Krispin bringt mehr als 30 Jahre Erfahrung im Mobilitäts- und Bahnsektor mit, unter anderem als CEO von Arverio (ehemals Go-Ahead Deutschland), sowie in leitenden Positionen bei internationalen Unternehmen (unter anderem Alpha Trains).
Die TRI-Gruppe bleibt nach Wunsch des Unternehmens geprägt von ihrer inhabergeführten Kultur, hoher fachlicher Spezialisierung und dem Engagement ihrer Mitarbeiter. Im Zuge der Neuaufstellung bleibt Tobias Richter dem Unternehmen sowohl als Gesellschafter verbunden und steht während der Übergangsphase beratend zur Verfügung. Sein Sohn Maximilian Richter bleibt ebenfalls Gesellschafter und führt seine operative Rolle (Leiter Betrieb) unverändert fort.
Zur Unterstützung und Ermöglichung des eingeschlagenen Wachstumskurses und der Neuaufstellung, steigt ein durch die Reichmuth & Co Investment Management AG mit Sitz in Zürich, Schweiz, beratener Fonds als Mehrheits-Gesellschafter – unter Annahme eines erfolgten Closings der Transaktion – bei der TRI-Gruppe ein. Die RIMAG ist ein langfristig-orientierter Investor mit Fokus auf Transport, Energie und Aviatik im Europäischen Raum, und verfolgt einen Asset-basierenden Investitionsansatz als Beitrag zur Weiterentwicklung der Europäischen Infrastruktur.
Interessant ist in diesem Zusammenhang dass Reichmuth somit im Bahnbereich zunehmend zum Financier sowohl von Fahrzeugpools / -managern (CargoRoll, LokRoll, InRoll, European Loc Pool (ELP), Railrelease, RCM Rail Care and Management), Logistikern / Güterbahnen (Railogix, Rail Force One (RFO)) und neu auch eines SPNV-Betreibers avanciert. Nicht zuletzt das Anwerben von Krispin deutet darauf hin dass TRI zukünftig neben Sonderverkehren vermutlich auch im Bereich größerer SPNV-Ausschreibungen außerhalb der Sonderverkehre tätig werden will.





