Thyssenkrupp und die Holding EP Corporate Group a.s. (EPCG) des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský haben sich über einen Einstieg in das Stahlgeschäft des Essener Konzerns verständigt. EPCG soll Ende September 2024 zunächst 20 % an Thyssenkrupp Steel Europe übernehmen und es gibt Gespräche über den Erwerb weiterer 30 % für ein künftiges Gemeinschaftsunternehmen mit 50/50-Beteiligung.
Ziel sei ein Zukunftskonzept, das zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit und unternehmerischem Erfolg von Thyssenkrupp Steel führt und den Anforderungen des Klimaschutzes entspricht, sagte Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez.
Als strategischer Partner soll EPCG mit dafür sorgen, dass das Unternehmen ausreichend mit Energie (Wasserstoff, grünem Strom etc.) versorgt werde. Die Stahlsparte leidet seit Jahren unter sinkenden Preisen, der schwachen Konjunktur, steigenden Energiekosten und wachsender Konkurrenz auf dem asiatischen Markt. Die Stahlindustrie muss Milliardensummen für einen klimafreundlichen Umbau der Produktion investieren. In wenigen Jahren will Thyssenkrupp in Duisburg Stahl produzieren, ohne dass dabei Kohlendioxid entsteht. Für den Bau einer Anlage zur „grünen“ Stahlproduktion soll Thyssenkrupp bis zu 2 Mrd. EUR Subventionen vom Land Nordrhein-Westfalen und vom Bund erhalten. Die Gesamtanlage soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Mit dem Projekt sollen fast 60 Mio. t CO2 eingespart werden.
Thyssenkrupp Steel hatte vor kurzem einen deutlichen Abbau von Stahlerzeugungskapazitäten am Standort Duisburg angekündigt, der auch zu einem weiteren Stellenabbau führen wird. Die IG Metall sieht den neuen tschechischen Großaktionär sehr skeptisch. Strategisch bringe er allein das vage Versprechen mit, die künftige Wasserstoffstrategie mit billigem Strom zu unterstützen, vom Stahl selbst verstehe Křetínský nichts.
Über die Unterholding EP Logistics International (EPLI) ist Křetínský unter anderem an Bahnunternehmen in Polen, Tschechien, der Slowakei, Deutschland und Slowenien beteiligt (EP Cargo, EP Cargo Polska, LokoTrain, LOCON, SGL, Spedica, RM Lines, SŽ-Tovorni promet, …).

