Für die Bedienung der neuen Automobil- und Batteriefabriken reiche die derzeitige Eisenbahninfrastruktur nicht aus, betonten führende Logistikexperten auf der Transport Logistics Conference 2024 in Herceghalom. Der Schienengüterverkehr in Ungarn sei bereits jetzt mit infrastrukturellen Einschränkungen konfrontiert und ohne Bahnausbauten nicht in der Lage, die im Bau befindlichen Fabriken zu versorgen.
In Ungarn werden derzeit etwa 400.000 Autos pro Jahr produziert, und dieses Volumen soll sich in den kommenden Jahren verdoppeln: Audi produzierte 2023 173.000 Autos und wird bis 2027/28 200.000 pro Jahr erreichen, Mercedes in Kecskemét wird seine Kapazität in der nächsten Zeit verdoppeln, BMW in Debrecen und BYD in Szeged wollen jeweils 200.000 Fahrzeuge pro Jahr produzieren.
Audi Hungária in Győr stößt nicht nur in Ungarn, sondern auch in Österreich und Deutschland auf Einschränkungen bei der Bahninfrastruktur und den Fahrplänen und daher nicht in der Lage, mehr Verkehr auf die Schiene umzuleiten. Der Straßenverkehr versuche dagegen, auf alternative Kraftstoffe umzusteigen, aber auch dafür gibt keine Infrastruktur, wie z. B. ein LNG-Tanknetz für Lkw.
Über den Kapazitätsbedarf von Batteriefabriken gibt es bislang nur Vermutungen. Die Fabriken, die in den kommenden Jahren gebaut werden, sollen zwei Drittel des Batteriebedarfs in Europa decken.In Debrecen planen sowohl BMW als auch das CATL-Batteriewerk, für den Güter- wie auch den Mitarbeitertransport die Bahn zu nutzen.
Der Schwerpunkt der Entwicklung sollte auf dem unmittelbaren Ausbau und der Modernisierung des Eisenbahnnetzes liegen – der sofortige Beginn des Baus der Bahnlinie V0 unter Umgehung von Budapest und die Beseitigung der Langsamfahrstellen sind besonders wichtig, um den Anteil des umweltfreundlichen intermodalen Verkehrs zu erhöhen und den Güterverkehr auf den bereits überlasteten Straßen nicht weiter zu erhöhen, betonte Ajtony Bíró Koppány, Generalsekretär des Verbandes der ungarischen Logistik-Dienstleistungszentren.

