[DE/CH] Schweizer Zuckerrübenkampagne 2025/2026

Die Kampagne 2025/2026 mit Rübentransporten zu den beiden Fabriken des Unternehmens Schweizer Zucker AG (SZU) wurde mit Verspätung im Februar 2026 abgeschlossen.

Gestartet war sie tradionell mit der über drei Wochen laufenden Anlieferung und Verarbeitung von Bio-Zuckerrüben am 12.09.2025. Von den 102.000 t verarbeiteten Rüben stammten 73.000 t aus Deutschland, der Rest aus der Schweiz. Per Bahn wurden davon 61.000 t aus Bayern und 11.000 t aus der Schweiz angeliefert.

Rail Bavaria 295 099 und Ropa Maus in Eggmühl. Foto: Roland Korving

Die reguläre Kampagne begann am 22. September in Aarberg und am 2. Oktober in Frauenfeld. Nach kurzer Zeit musste ein Produktionsstillstand in Frauenfeld verzeichnet werden: Am 23. November fiel der dortige Kalkofen aus und erwies sich nach Abkühlung und Inspektion als irreparabel. Der Hersteller reagierte und leitete eingehende Transporte nach Aarberg um. Während innerschweizer Bahntransporte weitestgehend bestehen blieben kam die Anlieferung per Lkw zum Erliegen. So konnte der Restbestand in Frauenfeld vor einem Verderben abgebaut und bereits geerntete Zuckerrüben aus der Region Frauenfeld schnellstmöglich verarbeitet werden. Die Lieferung importierter Zuckerrüben aus Deutschland kam ebenfalls zum Erliegen, abgesehen von einigen wenigen bereits beladenen Zügen. Zwischen Frauenfeld und Aarberg pendelte zur „Umschichtung“ üblicherweise zweimal täglich ein Zug.

In Frauenfeld wurde am 3. Januar übergangsweise eine alternative Anlage zur Mischung von Branntkalk und CO₂ wieder in Betrieb genommen. Ein Teil des CO₂ wurde per Bahn transportiert. Nachdem sich diese Vorgehenweise als funktionsfähig erwiesen hatte wurde die regionale Ernte sowie die Lieferungen in Aarberg wieder aufgenommen. Ein Rückstau an einigen Verladestationen konnte abgebaut werden.

Mit der vom Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz (DSF) gemieteten Re 456 095 is die Chemin de fer de Jura (CJ) unterwegs mit einem Rübenzug von Alle nach Delémont. Foto: Roland Korving

Temporär wurde auch an zwei Orten in der Nähe von Frauenfeld verladen, wobei die Ware anschließend nach Aarberg transportiert wurde. Marthalen war zuletzt 2015 für die Verladung von Rüben genutzt worden, die erhöhte Verladeplattform erwies sich jedoch als unbrauchbar. So musste auf eine Verladung mit einer transportablen Umschlagmaschine („Rübenratte“) von der Straße aus ausgewichen werden. Der Umschlag auf dem Gelände eines Zinkwerks in Felben-Wellhausen erfolgte erstmalig und wurde ebenfalls mittels einer „Rübenratte“ realisiert.

Der Rückstau im Werk Frauenfeld konnte nicht vollständig abgebaut werden. 60.000 t importierte Zuckerrüben aus Norddeutschland wurden im Auftrag von Schweizer Zucker durch die Nordzucker-Zuckerfabrik in Anklam zu Dicksaft verarbeitet. Aufgrund nachlassender Qualität wurden 10.000 t Zuckerrüben aus der Schweiz an eine Biogasanlage geliefert.

Aufgrund der Kombination aus guter Ernte und dem Stillstand in Frauenfeld dauerte die Kampagne außergewöhnlich lange. Die letzten Rüben wurden erst am 11. Februar in Aarberg und am 21. Februar in Frauenfeld verarbeitet. Ursprünglich sollten rund um Weihnachten die letzten gekocht werden. Letztendlich wurden in Aarberg 992.000 t Zuckerrüben verarbeitet, davon 509.000 t per Bahn angeliefert. In Frauenfeld wurden 893.000 t konventionelle Zuckerrüben verarbeitet, von denen nur 352.000 t per Bahn geliefert wurden. Davon stammten 317.000 t aus Nord- und Süddeutschland, der Rest aus der Schweiz.

BLS: Re 465 011 & 003 à Oron

Beim eingesetzten Rollmaterial sowie den beteiligten Bahnen ergaben sich folgende Änderungen: In Bayern war die Rail Cargo Logistics – Germany (RCL DE) statt der Internationale Gesellschaft für Eisenbahnverkehr IGE involviert. Das Rangiergeschäft in Straubing und Eggmühl absolvierte die RBL Rail Bavaria Logistik, in Ingolstadt blieb diese Aufgabe bei DB Cargo. In der Schweiz ersetzten während der Kampagne Re 485 der BLS im Januar 2026 die zuvor im Mietbetrieb genutzten und nun zum Verkauf ausgeschriebenen Re 465 der BLS. Bei den Waggons fiel der Einsatz bulgarischer Ea(o)s von RTI Waggon bzw. ŽOS Zvolen sowie die Verwendung weißer ehemaliger SBB-Ea(o)s der polnischen Ecco Rail auf. In den letzten Jahren waren die ehemaligen SBB-Eaos nur noch in der blauen Lackierung von AX-Benet zu sehen.

Ausblick: Der neue Kalkofen für die Zuckerfabrik in Frauenfeld ist bestellt, der Bau der Anlage beginnt in Kürze. Die Fertigstellung ist für September diesen Jahres geplant und somit rechtzeitig zur Rübenernte 2026.

[HU] RCH: Zuckerrübenkampagne abgeschlossen

Rail Cargo Hungaria (RCH) hat in Ungarn den gesamten Zuckerrübenverkehr auf der Schiene in deutlich kürzerer Zeit als geplant abgewickelt. Aufgrund der Wetterbedingungen konnte die Ernte zudem später als üblich beginnen.

RCH transportierte ab dem 01.10.2025 täglich 4.000 bis 4.300 Tonnen von 30 Versandstationen in den unterschiedlichsten Anbaugebieten Ungarns nach Kaposvár. Statt in geplanten 80 bis 85 Tagen wurden 311.000 Tonnen in 76 Tagen abgefahren.

[CH] Zuckerproduktion in Frauenfeld unterbrochen

Am 23.11.2025 kam es im Werk der Zuckerfabrik Frauenfeld zu einer Unterbrechung des Betriebes. Aufgrund eines Defekts am Kalkofen musste dieser abgeschaltet werden. Da dieser ein unverzichtbares Element in der gesamten Prozesskette der Zuckerproduktion ist, musste in der Folge die gesamte Anlage runtergefahren werden.

Spezialisten konnten die genaue Ursache noch nicht ermitteln, gehen aber von einem längeren Stillstand der gesamten Anlage aus. Die Rübenkampagne befindet sich ungefähr in der Halbzeit – es wird noch mit rund 500.000 Tonnen Rüben in Frauenfeld gerechnet.

Rübenzug im Morgenlicht

[DE/CH] Rübenverkehr nach Frauenfeld angelaufen

Anfang September 2025 ist der Transport von deutschen Biorüben zur Zuckerfabrik Frauenfeld angelaufen:

  • Schweinfurt: HSL Logistik mit Stadler Euro9000
  • Straubing / Eggmühl / Ingolstadt seit 11.09.2025 mit Rail Cargo Group (RCG) / MEV und Stadler EuroDual in Deutschland sowie LTE in der Schweiz unter Regie der ChemOil Logistics
  • Nördlingen mit Bayernbahn in Deutschland sowie LTE in der Schweiz unter Regie der ChemOil Logistics

2019 308-6, 14.09.2025

[AT/HU] Rübenkampagne abgeschlossen

Die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) hat die Zuckerrübenkampagne trotz massiver Überschwemmungen, insbesondere in Niederösterreich, erfolgreich abgeschlossen. Dank der schnellen Planung einer Ausweichroute via Krems konnte verhindert werden, dass Teile der Ernte verderben und unbrauchbar werden. Das Hochwasser hatte im September 2024 Zuckerrübenflächen und wichtige Bahnstrecken beschädigt, darunter die zentrale Transportachse durch das Tullnerfeld. Diese Strecke ist für den Zuckerrübentransport zu den AGRANA-Standorten in Tulln und Leopoldsdorf essenziell.

Insgesamt wurden während dieser Kampagne in Österreich 1,8 Millionen Tonnen Zuckerrüben transportiert, ein Anstieg im Vergleich zu den 1,5 Millionen Tonnen im Vorjahr. Auch die ungarische Tochtergesellschaft der RCG blickt auf einen erfolgreichen Zuckerrübentransport zurück. Im Laufe der Kampagne wurden 430.000 Tonnen in Ungarns einzige Zuckerfabrik Magyar Cukor Zrt. transportiert.

[DE/CH] Zuckerrübenkampagne beendet

Im Januar 2025 rollten die letzten Züge zu den beiden Schweizer Zuckerfabriken, Zeit für einen Rückblick:

Die Kampagne startete wie auch in den vergangenen Jahren mit Bio-Zuckerrüben, die vorwiegend aus Süddeutschland stammten und hauptsächlich per Bahn transportiert wurden. Vom 10. bis 30. September wurde in Dürrenzimmern, Eggmühl, Ingolstadt, Köln-Niehl, Schweinfurt, Straubing und Würzburg-Zell geladen.

Ab Straubing verkehrten dabei nur wenige Züge, da nur ein Viertel des Ladegleises zur Verfügung stand und das Rangieren erneut sehr aufwändig war. Als Ausweichstandort wurde Eggmühl genutzt , wo die Verladestelle in Bahnhofsnähe an den ersten hundert Metern der Laabertalbahn errichtet wurde. Die Strecke ist seit Dezember 2023 aufgrund des Zustandes des Gleises ab km 1,1 gesperrt und lediglich Walkenstetten ist für die Verladung vom Feld aus noch zugänglich. Mittlerweile wurde die Laabertalbahn von durch die Rail Bavaria Logistik übernommen, die im Jahr 2022 auch den Rangierdienst bei der Verladung in Walkenstetten und Niederleierndorf übernahm.

Von den knapp 92.000 Tonnen Bio-Zuckerrüben, die bis zum 2. Oktober nach Frauenfeld transportiert wurden, kamen 75.000 Tonnen per Bahn, davon 66.000 Tonnen aus Deutschland.

Die Zuckerfabrik in Frauenfeld stellte am 3. Oktober auf konventionelle Zuckerrüben um, die Bahnlieferungen erfolgten ebenfalls überwiegend aus Deutschland. Mit Oberaach, Buchs SG, Bürglen und Affoltern am Albis verkehrten nur ca. 12 innerschweizer Züge nach Frauenfeld – alle anderen hatten die Fabrik in Aarberg zum Ziel. Die Verladestellen Oberaach und Bürglen werden nach dieser Kampagne geschlossen, da die kantonale Subventionierung des Bahnverkehrs nicht verlängert wird. Dadurch ist mit rund 1.000 zusätzlichen Traktorfahrten auf der Strecke nach Frauenfeld zu rechnen. Mit der Schließung des Ladestandortes Bürglen gibt es in der Schweiz nur noch sieben Standorte mit festen Anlagen: St. Triphon, Cossonay, Chavornay, Yverdon, Payerne, Granges-Marnand und Langenthal.

Die Zuckerfabrik Aarberg startete die Kampagne am 26. September und schloss sie am 21. Dezember ab. Dabei wurden rund 750.000 Tonnen Zuckerrüben verarbeitet, 400.000 Tonnen davon wurden von 37 Verladestationen per Bahn transportiert. Sechs davon lieferten bisher Bio-Zuckerrüben nach Frauenfeld.

Knapp die Hälfte der regulären Zuckerrübenlieferungen erfolgte für Frauenfeld per Bahn aus Deutschland. Neben Wismar, Lalendorf, Neubrandenburg, Mukran und Neuenburg am Rhein waren diesmal neu Neustrelitz Süd, Altshausen, Niederbiegen und Kehl mit dabei. Die drei Letztgenannten wurden von der Schweiz aus verwaltet, einschließlich der Bereitstellung einer „Bahnratte“.

Am 2. Januar traf der letzte Rübenzug in Frauenfeld ein und die Kampagne wurde noch am gleichen Tag abgeschlossen. Transportiert wurden 764.000 Tonnen Zuckerrüben, davon 360.000 Tonnen per Bahn, mit Ausnahme von 17.000 Tonnen kamen alle aus Deutschland.

Die Importrüben aus Norddeutschland nach Frauenfeld wurden durch HSL Logistik (Loktypen TRAXX und Euro9000), der LTE Group und Rail Force One (RFO) transportiert. Für die HSL Schweiz war dies aufgrund der Fusion mit TX Logistik die letzte Kampagne. Konventionelle Rüben aus Süddeutschland fuhr auch UTL mit E-Loks des Typs Re 421. 13 Züge ab Nördlingen / Dürrenzimmern nach Frauenfeld erbrachte die Bayernbahn bis Lindau, es übernahm die LTE Schweiz.

Hinsichtlich der eingesetzten Ausrüstung in der Schweiz gab es kaum Überraschungen. TR TransRail trat zunächst mit Lokomotiven von Akiem (2 x BR 189), BLS Cargo (2 x Re 475) und International Rolling Stock Investment (IRSI; Re 421 und Re 620) für den Transport nach Aarberg an, musste aber bald zusätzliche Lokomotiven von SBB Cargo und am Ende der Kampagne auch bei UTL anmieten. Fast überall wurden Am 841 der LokPool AG (LPAG) zum Rangieren genutzt. So auch in Aarberg selbst, wo Sersa noch bis 2023 im Verschub tätig war.

Nach Aarberg fuhren ausschließlich Ea-Waggons, nach Frauenfeld kamen auch Tragwagen mit Containern zum Einsatz, wobei Schweizer Zucker / Forst Logistik den Angaben zufolge für die in den Jahren 2017 (zuerst 443) und 2018 (total 810) beschafften neuen Rübencontainer einen Käufer sucht. Seit Jahren wird nur ein Teil (dem Vernehmen nach knapp die Hälfte) der Container während der Rübenkampagne genutzt und eine anderweitige Vermietung ist kaum möglich. Angesichts der Malaise im Containertransport dürfte die Verfügbarkeit von Container-Lkw kein Problem sein, vermutlich sind aber Ea-Waggons günstiger. Die einzige bekannte aktuelle externer Vermietung der Container erfolgt für den Holzschnitzeltransport von Eclépens nach Melzo an BLS Cargo.

BLS Cargo 475 426 und 475 429 am 02.10.2024 abfahrbereit in Yverdon-les-Bains nach Aarberg. Die Rüben wurden in Yvonand geladen. Foto: Roland Korving
In Landquart kam am 19.10.2024 abweichend noch eine Am 843 statt der sonst omnipräsenten Am 841 zum Einsatz. Foto: Roland Korving

[DE/CH] Rübenzüge auch ab Neustrelitz

In der diesjährigen Zuckerrübensaison werden auch erstmals Rüben in Neustrelitz Süd verladen. Die Langstreckentraktion in die Schweiz realisiert die LTE Group, am Verladeort rangiert die Anhaltinisch-Brandenburgische Eisenbahngesellschaft (ABEG). Der erste Zug verließ die Mittelstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Land Mecklenburg-Vorpommern am 15.11.2024.

Foto: Rudolf Übe

[DE/CH] UTL fährt Rüben ab Oberschwaben

Die Umwelt- und Transportlogistik (UTL) fährt in dieser Kampagne neu 24 Ganzzüge mit Zuckerrüben aus Oberschwaben von den Verladebahnhöfen Niederbiegen (drei Stück) und Altshausen (Rest) nach Frauenfeld.

Der Vorlauf bis Aulendorf bzw. in Niederbiegen wird mit einer Diesellok des Typs mit D100 absolviert, der Hauptlauf in DE/AT/CH mit den beiden Re 421 / Re 4/4 II. Pro Zug sind es im Regelfall 34 Ea Wagen.

Foto: Martin Klust

[DE/CH] Rübenzüge mit RFO und HSL

Die Zuckerrübenzüge Wismar – Frauenfeld werden in einer neuen Konstellation gefahren: 2 x pro Woche bringt Rail Force Germany (RFO) die Züge vom Ostseehafen bis zur Grenze in Basel, dort übernimmt wie gewohnt die HSL Schweiz. RFO setzt in Deutschland eine Lok des Typs Stadler EuroDual ein.

Dank der Hybridloktechnik konnte der erste Umlauf am 05.11.2024 problemlos wegen einer Stellwerksstörung über die nicht elektrifizierte Strecke Bad Kleinen – Lübeck umgeleitet werden.

Rail Force One mit Zuckerrübenzug