Bahnoperator-Holding: insolvent oder nicht?

Am 03.07.2023 hieß es vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV), dass wegen der massiv rückläufigen Auftragslage im Güterverkehr China-Europa die fünf Mitarbeiter starke Lienzer Dolomiten Beteiligungsgesellschaft mbH (LDB) mit Verbindlichkeiten von bis zu 4,5 Mio. EUR beim Landgericht Innsbruck Konkurs angemeldet habe. Als Insolvenzverwalter (Masseverwalter) wurde Dr. Gerhard Seirer der SW-Kanzlei aus Lienz benannt. Den Gläubigern wird ein Sanierungsplan angeboten, wonach sie binnen zwei Jahren 20 % der Forderungen erhalten sollen. Die Gläubigerversammlung, Allgemeine Prüfungstagsatzung und Sanierungsplantagsatzung erfolgt am 11.09.2023.

In einer Pressemitteilung widersprechen die beiden Mehrheitsgesellschafter (45 % Marcel Stein und 10 % Dr. Irfan Tulan) dem vom geschäftsführenden Minderheitsgesellschafter Nicolai Nöckler (45 % Anteile) eingebrachten Insolvenzantrag. Die LDB stellte klar, dass sie keine Kenntnis von dem Antrag hatte, der mit „Unternehmenszahlen konstruiert wurde, die nachweislich nicht den Tatsachen entsprechen“, und dass der Antrag hinter dem Rücken der Mehrheitsaktionäre vom ehemaligen geschäftsführenden Minderheitsgesellschafter gestellt worden sei. Man habe rechtliche Schritte eingeleitet. „„Herr N. war einzig bei der LDB als ehemaliger Geschäftsführer bestellt und hat offenbar in grob geschäftsschädigender Weise seine Funktion missbraucht, um einen Insolvenzantrag zu stellen und damit der Gesellschaft zu schaden. Aus diesem Grund sind aktuell rechtliche Schritte gegen Herrn N. in Ausarbeitung, über die wir zeitnah informieren werden“, so die Mehrheitsgesellschafter abschließend.

Die LDB als Holdinggesellschaft der Bahnoperator-Gruppe bestreitet die Möglichkeit eines Konkurses, alle externen Forderungen könnten jederzeit bedient werden, was auch für die Tochtergesellschaften gelte.

Die Mehrheitsgesellschafter nannten außerdem folgende Hintergründe zu den Entwicklungen:

  • Aufgrund zahlreicher Vorkommnisse und wegen massivem Vertrauensverlust hatten die Mehrheitsgesellschafter geplant, Herrn Nöckler am 03.07.2023 im Rahmen einer außerordentlichen Generalversammlung abzuberufen. Die geplante Abberufung wurde ihm bereits am 31.05. mitgeteilt. Ein neuer Geschäftsführer wurde bereits designiert und sollte noch am selben Tag seine Arbeit aufnehmen.
  • Mittels eines Vorwandes bat Herr Nöckler um eine Verschiebung dieser Generalversammlung auf 16:00 desselben Tages.
  • Gegen Mittag informierte Herr Nöckler die Mehrheitsgesellschafter von der Stellung eines Insolvenzantrages. Dieser Antrag erfolgte hinter deren Rücken und ohne Einbindung der Steuerberatungskanzlei des Unternehmens.
  • Noch am selben Tag wurden die Mehrheitsgesellschafter von der Bestellung eines Masseverwalters informiert. Der Steuerberater der LDB nahm daraufhin am 04.07.2023 umgehend mit diesem Kontakt auf.

Die Managementholding LDB hält u. a. 95 % der Anteile an der Bahnoperator Austria GmbH, 5 % entfallen auf Roland Hawranek (Director Network & AkquistionDirector Network & Akquistion der Bahnoperator Group). Geschäftsführer sind Wanxu Dong (45) und Marcel Stein (40), der auch Geschäftsführer der TE Bahnoperator GmbH in Duisburg ist. Deren Gesellschafter sind Roland Hawranek (30 %), Dr. Irfan Tulan (30 %) und Wanxu Dong (40 %).

Die LDB hält außerdem folgende Beteiligungen: 100 % an der Bahnoperator Polska Sp. z o.o., 95 % an der Nöckler Aviation Capital GmbH (5 % % Dr. Irfan Tulan) und 100 % an der DNS Systems GmbH. Letztere liefert unter anderem die Software für die Zugabwicklung der bahnoperator Group.

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