Die kroatische Güterbahn TRANSAGENT RAIL hat Probleme mit ihrer Liquidität und daher am 14.10.2025 beim Handelsgericht Rijeka einen Antrag auf Eröffnung eines vorinsolvenzlichen Vergleichsverfahrens beantragt, dem auch stattgegeben wurde (Az.: St-410/2025-32). Als Hauptgründe nannte das Unternehmen einen Umsatzrückgang im ersten und zweiten Quartal 2025 sowie ein „Missverhältnis zwischen dem Zahlungseingang der Forderungen und der Begleichung der Verbindlichkeiten“. Allerdings zeigt ein Blick auf die Jahresabschlüsse, dass die seit 2017 kumulierten Gewinne und Verluste von TRANSAGENT RAIL mit Stand Ende 2024 einen Fehlbetrag von knapp 1,7 Mio. EUR ergeben. Laut dem Ende Januar vorgelegten Sanierungs- und Restrukturierungsplan gibt es 16 Gläubiger, die Forderungen in Höhe von insgesamt 1,75 Mio. EUR angemeldet haben. Der von der Gläubigerversammlung am 15.04. gebilligte Plan sieht einen Verzicht auf 25 % der Forderungen vor, während der Schuldner den Rest in sechs gleichen, vierteljährlichen Raten ohne Zinsen zu begleichen hat.
TRANSAGENT RAIL selbst plant als Sanierungsbausteine
1. Erhöhung der monatlichen Anzahl der KV-Züge
2. Akquise neuer Transportaufträge
3. Optimierung des Rangierbetriebs im Rijekaer KV-Terminal Brajdica
4. Aussetzung der Leasingraten während Reparaturen oder Wartungsarbeiten an den Lokomotiven
5. Anpassung der Transportpreise an Angebot und Nachfrage des Marktes
6. Senkung der Betriebskosten u.a. durch Abbau von rund zehn der 60 Stellen.
Wie es hieß, sei eine ebenfalls im Raum stehende Liquidation mit Eröffnung eines regulären Insolvenzverfahrens gegen den Schuldner keine Alternative gewesen, da dessen Vermögenswerte nur etwa die Hälfte der Forderungssumme erreiche, was die Chancen der Gläubiger auf Beitreibung gegenüber der nun vereinbarten Fortführung des Geschäftsbetriebes deutlich vermindert hätte. Der niedrige Vermögenswert ergibt sich vor allem daraus, dass das Unternehmen keine eigene Lokomotiven besitzt, sondern ausschließlich Mietmaschinen (derzeit vier ES 64 U2 von BRCE als einem der Hauptgläubiger, einen Vectron MS von Railpool und eine BB36000 von Akiem) einsetzt.
TRANSAGENT RAIL wurde am 28.10.2013 als Beteiligung des seit 2002 existierenden Logistikers TRANSAGENT mit Sitz in Rijeka gegründet, der damit seine Bahnaktivitäten in eine extra Tochter auslagerte, für die der Hafenhinterlandverkehr ein wichtiges Standbein ist.

