[DE] Riedbahn: NEE kritisiert „Gute-Laune-PR“

Der Verband „Die Güterbahnen“ (Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE)) hat die Pressearbeit der Deutschen Bahn bezüglich der Riedbahn-Sanierung kritisiert:

„Neben kleinen Eingeständnissen zum Verbesserungspotenzial fehlen jedoch zwei der elementarsten Aspekte: Zum einen eine ehrliche Aufarbeitung der Kostensteigerung des Projekts. Die Kosten stiegen im Laufe der Jahre von 500 Millionen (September 2022) auf nun 1,5 Milliarden Euro. Zum anderen wird nicht erwähnt, dass eine um 27 Prozent niedrigere Störungshäufigkeit von Infrastrukturelementen nach mehreren Wochen Betrieb sehr weit entfernt ist von den ursprünglich angekündigten Zahlen: 80 Prozent (DB) bzw. 100 Prozent (Bundesminister Volker Wissing).“

Auch die fehlende Transparenz und Aufarbeitung, wieso die Verbesserung der Störanfälligkeit so weit vom angekündigten Maße entfernt ist, ist für den Verband inakzeptabel.

[DE] Verbände fordern deutliche Entbürokratisierung

Die Schienengüterverkehrsbranche, vertreten durch die Verbände VDV und DIE GÜTERBAHNEN, fordert von der kommenden Bundesregierung eine deutliche und zeitnahe Entbürokratisierung. Der permanente Aufwuchs von Bürokratie und gesetzlichen Vorgaben durch europäische und deutsche Gesetzgebung bremse zunehmend das Unternehmertum und belaste vor allem kleinere und mittlere Güterbahnen erheblich. VDV und DIE GÜTERBAHNEN fordern daher von der Politik mehr Vertrauen in die unternehmerische Eigenverantwortung und staatliche Kontrolle nur dort, wo es nötig ist.

Konkret schlagen VDV und DIE GÜTERBAHNEN eine Entbürokratisierungs-Initiative für den Schienengüterverkehr in folgenden Bereichen vor:

  • Austausch von Betriebspersonal zwischen Eisenbahnunternehmen vereinfachen
  • Kontrollkonzept im Schienenlärmschutzgesetz praxisnah gestalten, da leise Güterwagen inzwischen der Standard sind
  • Regulierung der Fahrzeugunterhaltung (ECM-Verordnung) vereinfachen
  • Antragsvoraussetzungen der Bundesförderprogramme, z. B. Bürgschaften, reduzieren und mittelstandsfreundlich ausgestalten
  • Sicherheitsbescheinigung – Erwerb und Erneuerung – für die Unternehmen berechenbar machen
  • Zulassungserfordernis für Änderungen an Eisenbahnfahrzeugen auf praxisgerechte Weise reduzieren
  • Doppelabfragen von Statistik-Daten vermeiden sowie Statistiklieferungen an Behörden überprüfen und vereinfachen 
  • Telematikanforderungen für den Güterverkehr – TAF TSI – auf den Prüfstand stellen
  • Triebfahrzeugführerscheinregelungen vereinfachen
  • Pragmatische Weiterentwicklung zu Regelungen der Streckenkunde
  • Eisenbahnaufsicht durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) praxisgerechter ausgestalten
  • Grenzbetriebsverfahren auf das Niveau des Straßengüterverkehrs reduzieren
  • Betriebsregelwerk entschlacken und konzentrieren
  • Externe Audits auf das Notwendigste reduzieren

[DE] Umleiter während Korridorsanierung HH-B unklar

Die DB InfraGO AG hat am 20.01.2025 in einem Pressetermin ihre Pläne für die Korridorsanierung zwischen Hamburg und Berlin erläutert. Neuigkeiten finden sich darin für den Verband DIE GÜTERBAHNEN keine wieder. Vor allem die Umleitungen bergen weiterhin Konfliktpotenzial, da die Strecke mit fast 300 Kilometern Länge wesentlich höhere Ansprüche an ein Umleiterkonzept stellt als die im Dezember zu Ende gegangene Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim.

Bisher liegt nach Auskunft des Verbandes kein abgestimmtes Umleiterkonzept vor und es sollte auch nicht stückchenweise bekannt gemacht werden. Die Diskussion mit den Güterbahn-Unternehmen soll erst am 22. Januar stattfinden.

[DE] NEE kritisiert Engpass nach Unfall

Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE; „Die Güterbahnen“) kritisiert die Lage nach der Entgleisung von Kerpen mit einer Aussendung am 23.11.2024 wie folgt:

„Der Güterzugverkehr zwischen Deutschland und den Nordseehäfen in den Niederlanden und Belgien war von gestern Abend (21.49 Uhr) bis heute Mittag nach einer Kaskade von Störungen komplett zum Erliegen gekommen. Diese nicht einmal 1945 eingetretene Situation wirft ein Schlaglicht auf den Handlungsbedarf der Politik bei der Schieneninfrastruktur. Deutschlands Industrie und Politik kommen in Europa immer stärker unter Druck, weil Sanierung, Erweiterung und Management des Schienennetzes nicht wirklich ernstgenommen werden.

Nach einem Unfall auf der für Belgien-Verkehre wichtigen Verbindung Köln-Aachen am Freitag und einer bis Sonntag geplanten und kurzfristig verlängerten Bausperre für die Niederlande-Verkehre wichtigen Rheinstrecke Oberhausen-Emmerich hatte zusammen mit baubedingt gesperrten weiteren Strecken ein Stellwerksausfall in Kaldenkirchen westlich von Mönchengladbach heute Nacht den letzten Bypass abgeklemmt.

Inmitten einer der wichtigsten Industrieagglomerationen Europas ist das dünne deutsche Schienennetz trotz großer Debatte und Pläne über Jahrzehnte weder bedarfsgerecht ausgebaut noch durchgreifend modernisiert worden. Wie anfällig es jetzt ist, zeigt die Lage an diesem Wochenende. Selbst wenn mit Hochdruck an der Störungsbeseitigung gearbeitet wird, fehlte offenbar eine geeignete Notfallplanung der DB InfraGO AG. Die Folgen werden den Schienengüterverkehr noch Wochen und weit über die Region hinaus beschäftigen, weil bis nach Italien die Pläne für Ladung, Fahrzeugumläufe und Personal Makulatur sind und die schon vielfach umgeplanten und abrupt gestoppten Verkehre nur nach und nach wieder in Gang gebracht werden können.

Verladende Industrie, aber auch viele Reisende im Personenverkehr erleben die Folgen der Mangelwirtschaft und Desorganisation täglich – und vermutlich stärker als viele verkehrspolitische Entscheider – am eigenen Leib. Die GÜTERBAHNEN erneuern ihre Forderung, dass die gegenüber 2023 bereits auf die Hälfte abgespeckten Investitionsvolumina des Bundes für Sanierung von Strecken und Stellwerken, aber auch für Elektrifizierung und den Netzausbau in Engpässen von der neuen Regierung wieder aufgestockt werden. Einzelne Korridore mit viel PR-Begleitung zu sanieren, ist nicht ausreichend und muss neben mehr Budget auch eine bessere Schieneninfrastruktur-Organisation umfassen.“

[DE] NEE mit Mitgliederrekord

Der Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e. V. (NEE) („DIE GÜTERBAHNEN“) traf sich am 22.10.2024 zur Mitgliederversammlung in Berlin.

Bei den Vorstandswahlen wurden die bisherigen Vorstände Roger Mahler (METRANS Rail (Deutschland)) und Jan Elfenhorst (EP Logistics International) in ihrem Amt bestätigt.

Der im kommenden Jahr seinen 25sten Geburtstag begehende Verband konnte außerdem mit 112 Mitgliedern einen neuen Rekord verzeichnen.

Foto: NEE

[DE] Trafög: Schienen-Bündnis warnt vor Abwanderung

Ein Verbändebündnis appelliert an die Haushälter, den drastischen Anstieg der Trassenpreise abzumildern. Die von zahlreichen Branchenakteuren geforderte Anhebung der Trassenpreisförderung für den Schienengüterverkehr blieb bislang unberücksichtigt. Als Folge droht der Güterverkehr auf der Schiene teurer zu werden. Ein Bündnis aus DIE GÜTERBAHNEN, dem Verband der Chemischen Industrie (VCI), dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), der Allianz pro Schiene und dem Verband der Güterwagenhalter (VPI) fordert, die Förderung auf die bis Ende 2023 übliche Summe von mindestens 350 Mio. EUR anzuheben und somit bis zur Bereinigungssitzung am 14. November nachzubessern.

Bislang hat die Bundesregierung in ihrem Haushaltsentwurf knapp 275 Mio. EUR für die Trassenpreisförderung im Schienengüterverkehr angesetzt. Für die Branche bedeutet die bisherige Summe, dass der erwartete Fördersatz für 2025 voraussichtlich bei knapp über 30 % liegen wird. Bis 2023 war eine Förderung von bis zu 60 % üblich. Dies stellt nach Einschätzung des Bündnisses eine erhebliche Herausforderung für die Unternehmen dar, die sich derzeit in den Verhandlungen mit ihren Kunden für das kommende Jahr befinden.

[DE] Bahnverbände: Trennung Netz von Konzern unverzichtbar

DIE GÜTERBAHNEN, mofair, VPI und der Fahrgastverband PRO BAHN haben acht Monate nach dem offiziellen Start der neuen, angeblich „gemeinwohlorientierten“ Schieneninfrastrukturgesellschaft DB InfraGO AG auf einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin eine Zwischenbilanz gezogen.

Die Performance der InfraGO ist nach Aussage der Verbände angesichts schlecht geplanter Baustellen, Unterfinanzierung und wachsender Frustration in den Reihen der nicht zu beneidenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter gesunken. In einem Forderungskatalog raten die vier Verbände zu einer großen Bahnreform, die unter anderem das natürliche Monopol der Infrastruktur aus dem auf Gewinne orientierten und gleichzeitig strauchelnden Gesamtkonzern der DB herauslöst.

Neele Wesseln, Geschäftsführerin der GÜTERBAHNEN, bilanzierte in ihrer Gesamtanalyse für die einladenden Verbände: „DB und Verkehrsministerium hatten ihre Chance. Aber trotz vollmundiger Versprechen ist seit der Gründung der InfraGO nichts besser geworden, dafür vieles noch schlechter. Alle Eisenbahnverkehrsunternehmen arbeiten am Limit und die Kosten explodieren. Wir sind uns sicher: nur die Herauslösung der Schieneninfrastrukturen aus dem DB-Konzern löst nicht alle Probleme, aber die Trennung ist als Teil der Problemlösung unverzichtbar.“

Dr. Matthias Stoffregen, Geschäftsführer mofair: „Die Ampelparteien waren im Koalitionsvertrag wie ein Tiger gestartet, haben sich dann aber vom kommunikativen Trommelfeuer des integrierten DB-Konzerns einschüchtern lassen. Am Ende sind sie als Bettvorleger gelandet. Aus ‚Gemeinwohlorientierung‘ wurde ‚Generalsanierung‘ – und nichts sonst. Als Branche sehen wir nur höhere Kosten für die Schieneninfrastruktur – ohne irgendwo nachweisbare bessere Qualität. Eine künftige Bundesregierung muss Monopol- und Wettbewerbsbereich endlich klar trennen. Nur so wird transparent, wo und wie genau die dringend benötigten zusätzlichen Mittel für die Infrastruktur am effizientesten eingesetzt werden müssen.“

Prof. Dr. Lukas Iffländer, stellvertretender Vorsitzender Fahrgastverband PRO BAHN: “Mit der bisherigen InfraGO sind wir bestenfalls zu zehn Prozent am Ziel angekommen. Der Bund muss eine stärkere Verantwortung für unser aller Infrastruktur übernehmen, klare und verbindliche Ziele vorgeben sowie deutlich stärker deren Umsetzung direkt bei der InfraGO überwachen, statt einen Umweg über den DB-Konzern zu nehmen.“

Heiko Radke, Generalsekretär des Verbands der Güterwagenhalter VPI: „Der Bund muss endlich seine Aufgabe ausfüllen, die InfraGO so auszurichten, dass sie eine stabile Schieneninfrastruktur zu marktgerechten Konditionen zur Verfügung stellt. Die Wachstums- und Klimaziele erreichen wir nur, wenn die Basis stimmt, auf der der umweltverträglichste Verkehrsträger seine Stärken ausspielen kann. Eine funktionierende, am Gemeinwohl orientierte Infrastrukturgesellschaft für die Schiene ist dafür Voraussetzung. Wagenhalter investieren in langlebige Wirtschaftsgüter und müssen darauf vertrauen können, dass das System Schiene wettbewerbsfähig ist und bleibt.”

In einer vor der Veranstaltung durchgeführten Befragung im Personen- und Güterverkehr hat keines der Eisenbahnverkehrsunternehmen seit dem Start der InfraGO eine Verbesserung der Performance im Vergleich zur DB Netz zuvor erkennen können.

Die Verbände haben auf ihrer Veranstaltung einen Forderungskatalog an den Bundestag im Gepäck, der die folgenden sechs Punkte enthält:

  • Die deutsche Schieneninfrastruktur von der Talsohle in die europäische Spitzengruppe der Schienennetze bringen
  • Versäumnisse aufarbeiten und Neuordnungsvorschläge durch Expert:innen einer Parlamentskommission bis 2025 ausarbeiten lassen
  • Verkehrsministerium und DB müssen dafür volle Transparenz schaffen
  • Alle Schieneninfrastrukturen aus dem Konzern herauslösen
  • Schieneninfrastruktur durch ein effizient gesteuertes Bundesunternehmen betreiben lassen
  • Eine grundrechtskonforme, stabile Finanzierung sowie wettbewerbsfähige Trassenpreise sicherstellen

In ihrer Analyse kommen die Verbände zum Ergebnis, dass in der Satzung der InfraGO zwar „gemeinwohlorientierte“ Ziele verankert wurden. Wie sie zum fortbestehenden Ziel der Gewinnerzielung stehen und wann sie ganz oder teilweise erreicht wurden, ist mangels konkreter Zielzahlen kaum nachprüfbar. Die den Eisenbahnverkehrsunternehmen besonders wichtige „Kundenorientierung“ des Infrastrukturmanagements taucht zwar mit einem dürren Wort in den Gemeinwohlzielen auf, das der Branche besonders wichtige „Preis-Leistungs-Verhältnis“ allerdings nicht. Währenddessen beharrt die InfraGO auf einem Eigenkapitalzinssatz von 5,9 Prozent, während das eigene beteiligungsführende Ministerium einen deutlich niedrigeren Zinssatz einfordert, um
die Eisenbahnverkehrsunternehmen zu entlasten.

[DE] NEE befürchtet weiteren Trassenpreisanstieg

Der Verband „Die Güterbahnen“ / Netzwerk Europäischer Eisenbahnen e.V. (NEE) befürchtet einen weiteren Anstieg der Trassenpreise. Unter Berufung auf Unterlagen der DB InfraGO nennt der Verband eine Steigerung für Schienengüterverkehr (SGV) und Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) zur Fahrplanperiode 2025/26 um rund 50 % im Vergleich zur Vorjahresperiode.

Die DB InfraGO hat der Bundesnetzagentur (BNetzA) in der vergangenen Woche die so genannte „Obergrenze“ ihrer Gesamtkosten inklusive Gewinn (OGK) für das am 14.12.2025 beginnende übernächste Fahrplanjahr zur Genehmigung vorgelegt. Dabei wurde bekannt, dass neben inflationsbedingten Steigerungen vor allem die quasi garantierte Jahresgewinnoption um mehr als das Doppelte gegenüber dem kommenden Fahrplanjahr 2025 steigen soll – und das, obwohl sie schon im kommenden Jahr trotz schlechter werdender Leistung ansteigen wird. Für das Fahrplanjahr 2026 beantragt die DB InfraGO AG einen möglichen Gewinn von 1,4 Mrd. EUR bei 6,8 Mrd. EUR Netzbetriebskosten. Möglich wird diese Schieflage, weil der Bund seine Infrastrukturfinanzierung bei der Schiene immer stärker auf Eigenkapitalerhöhungen statt Baukostenzuschüsse umstellen und in den kommenden vier Jahren noch einmal 20 Milliarden EUR mehr Eigenkapital für das Schienennetz bereitstellen will.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass allein rund 990 Mio. EUR des OGK-Aufwuchses im Fahrplanjahr 2026 der Eigenkapitalerhöhung für die DB geschuldet sind. Für 3,8 Mrd. EUR Eigenkapitalerhöhung im Jahr 2026 fallen demnach Kapitalkosten von 725 Mio. EUR sowie Absetzung-für-Abnutzung-(AfA)-Kosten von 270 Mio. EUR an. Insgesamt beträgt die OGK-Steigerung von 2025 auf 2026 laut Berechnungen der „Güterbahnen“ rund 20 %. Weil der Zuwachs beim SPNV (mit den meisten Trassenkilometern) laut aktueller Rechtslage auf 3 % begrenzt sein wird, wäre für SGV und SPFV eine Erhöhung um je 50 % nötig.

Bereits zur kommenden Fahrplanperiode 2025 steigen die Trassenpreise bei einer Steigerung von effektiv insgesamt 6 % und einer 0,6-%-Deckelung beim SPNV für SGV und SPFV um 16,2 % bzw. 17,7 %. „Die Güterbahnen“ fordern kurzfristig ein Wiederaufstocken der Trassenpreisförderung (Trafög) von aktuell 229 auf die üblichen 350 Mio. EUR und weiter eine grundsätzliche Überarbeitung des Trassenpreissystems.

Grafik: NEE

[DE] NEE kritisiert Trassenpreisgenehmigung

„Um es einmal mit der üblichen PR-Formel der DB zu sagen: Statt sich am Gemeinwohl zu orientieren, startet die DB das größte Trassenpreiserhöhungsprogramm in der Geschichte des Konzerns“, kommentiert die Geschäftsführerin des Netzwerkes Europäischer Eisenbahnen e. V., Neele Wesseln.

Wesentlicher Treiber ist nach Aussage des Verbandes der maximal ausgenutzte, vom Gesetz zugelassene Gewinnanspruch, den die staatliche Gesellschaft in ihren Preisen realisieren kann. Wesseln weiter: „Ehrlich gesagt: Wir sind nicht überrascht. Der Genehmigungsantrag der DB stammt aus dem Spätsommer und die Bundesregierung hat trotz aller Proteste nichts dagegen getan. Im Gegenteil: Sie hat, weil es der einfachste Weg zur Haushaltskonsolidierung war, im Dezember noch zusätzlich eine Kürzung der Bundesmittel zur Förderung der Trassenpreise im Schienengüterverkehr um fast die Hälfte, nämlich 171 Millionen Euro beschlossen, die vom Bundestag im Umfang von 50 Millionen Euro zurückgenommen wurde. Unter dem Strich will die DB InfraGO für sinkende Qualität und zusätzliche Kostenbelastungen durch die wachsende Anzahl von Baustellen immer mehr Geld.“ 

Der Kilometerpreis für einen Standard-Güterzug soll ab Dezember 2024 mit 3,73 Euro um 52 Cent höher liegen als in diesem Jahr. Alle bisherigen (fünf) Erhöhungen seit dem Inkrafttreten des Eisenbahnregulierungsgesetzes 2016 – die Grundlage der Bildung und Genehmigung von Trassenpreisen – liegen weit darunter: Zusammen ergeben sie weniger als die Hälfte, nämlich 23 Cent. Wesseln: „Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt attestierte dem neuen Gesetz, dass es zu sinkenden Trassenpreisen führen solle. Charakteristisch für das Trassenpreissystem ist aber nur die Hilflosigkeit von Kunden und Genehmigungsbehörde. Ein einziges Mal wurde ein Erhöhungsantrag von der Bundesnetzagentur abgelehnt. Die höheren Einnahmewünsche der DB Netz musste der Personenfernverkehr tragen. Von Beginn an haben wir kritisiert, dass die DB und der Bund aus dem Monopol der Schieneninfrastruktur Gewinne ziehen wollten.“ 

Das Eisenbahnregulierungsgesetz wurde mehrfach geändert, ohne das Trassenpreissystem zu korrigieren. Anfangs ermöglichte es eine gesetzlich zulässige Rendite von 5,8 Prozent, mittlerweile immer noch von 4,3 Prozent auf den gesamten Kapitalstock des Schienennetzes. Infolge der 2019 gestarteten jährlichen Eigenkapitalzuführungen des Bundes erhöht sich automatisch auch der mögliche Gewinnanspruch weiter, den die DB InfraGO AG realisieren kann. Sollte der Bund seine Absicht wahrmachen, die aktuell vorgesehenen Zusatzmittel im Umfang von 20 Milliarden Euro für die Schieneninfrastruktur ebenfalls als Eigenkapital und nicht als Zuschuss zu gewähren, explodiert der Gewinnanspruch in den Folgejahren nach NEE-Bedürchtung regelrecht.

Wesseln: „Die Ampel-Koalition hatte gut zwei Jahre Zeit, einzugreifen und das System zu korrigieren. Sie hat sie nicht genutzt und steht nun vor den Trümmern. Der allergrößte Treppenwitz ist dabei die kürzlich mit Pomp zur gemeinwohlorientierten DB InfraGO AG umfirmierte DB Netz AG. Aus deren Satzung ist die Gewinnerzielung als Unternehmensziel nie gestrichen worden und sie macht nun ausgiebig Gebrauch davon. Statt Kosten zu senken, legt sie bei rückläufiger Nachfrage ungerührt steigende Kosten plus Gewinn auf die Eisenbahnverkehrsunternehmen um und wird – das ist unsere Prognose – damit den Anteil des klimafreundlichen Güterverkehrs auf der Schiene sinken lassen. Nach den aktuellen Zahlen aus dem Jahr 2023 hat die DB InfraGO mit weniger verkauften Trassen (minus 1,4 Prozent) mithilfe ihrer auch 2023 erhöhten Preise ein Umsatzplus (plus 74 Millionen Euro) eingefahren. Traumhaft – jedenfalls für die DB und den Eigentümer Bund.“

Zusammen mit der Kürzung der Trassenpreisförderung durch den Bund machen die Trassenpreise für alle Güterbahnen, auch die konzerneigene DB Cargo AG und ihre Töchter, von Anfang Dezember 2023 zu Mitte Dezember 2024 einen Preissprung um 121 Prozent. Das sind 31 Prozentpunkte mehr als die – einmalige – Erhöhung der Lkw-Maut im vergangenen Dezember (um circa 90 Prozent).

NEE kritisiert DB-Produktivität

Die stetig sinkende Produktivität bei der DB muss nach Einschätzung des Branchenverbandes Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE; „Die Güterbahnen“) Warnsignal sein, um umzusteuern.

Anlässlich der bevorstehenden Aufsichtsratssitzung (morgen) und der Präsentation der Bilanz des DB-Konzerns (übermorgen) hat das NEE eine öffentliche Debatte über eine Eigentümerstrategie des Bundes für die Deutsche Bahn AG angemahnt. Dies beträfe unter anderem die genaue Definition der Gemeinwohlorientierung bei den Infrastrukturgesellschaften. Zudem sei die Frage erlaubt, warum bei der Schiene als einzigem Verkehrsmittel überhaupt der Bund als Verkehrsunternehmerin selbst tätig sein muss.

Bei den DB-Gesellschaften sinkt durch die Bank die Produktivität: Das Verhältnis von Mitarbeitern zur Leistung wird nach NEE-Untersuchung immer schlechter. Unternehmerische ebenso wie die notwendigen staatlichen Optionen zur Verbesserung der Konzernleistung sollten benannt und dem Bund damit eine Grundlage für die Ausarbeitung der Eigentümerstrategie gegeben werden.

Der neue Ansatz bei DB Netz, den Zustand aller Anlagenbestandteile mit Noten zu bewerten, begrüßte der Verband als ersten Schritt zu mehr notwendiger Transparenz.

Quelle: NEE