Neben der bereits laufenden Elektrifizierung von 1.000 km bis 2030 erarbeitet PKP Polskie Linie Kolejowe SA (PKP PLK) derzeit gemeinsam mit dem polnischen Infrastrukturministerium eine Liste der Eisenbahnstrecken, die in den kommenden Jahren elektrifiziert werden sollen, sowie an der Definition der Prioritäten und Phasen in diesem Bereich.
Derzeit sind über 60 % des Netzes elektrifiziert und aktuell wird es im Rahmen größerer Modernisierungsmaßnahmen wie z. B. an der Strecke 201 Nowa Wieś Wlk. – Gdynia Port erweitert. Künftig soll es – ähnlich wie bei den „einfachen Elektrifizierungen“ in der Tschechischen Republik – auch ohne größere Beeinträchtigung der Gleis- und Signalanlagen geschehen. Solche Maßnahmen werden auch zunehmend von den Woiwodschaftsverwaltungen gefordert, z. B. kürzlich von den Woiwodschaften Oppeln und Kujawien-Pommern für die Strecken Opole – Kluczbork und Poznań – Wągrowiec, um diese mit geräumigeren elektrischen Triebfahrzeugen befahren zu können und da die Herausforderungen beim Kauf von Triebfahrzeugen mit Verbrennungsmotor, Batterie- oder Wasserstoffantrieb immer größer werden.
Der Engpass, der das heutige Tempo für die Elektrifizierung in Polen bestimmt, sind die administrativen Prozesse beim Bau von Umspannwerken und der Energieversorgung, nicht die Eisenbahnarbeiten (Fundamentgründung, Mastaufstellung, Leitungsaufhängung), da die für die Stromversorgung verantwortlichen Energieunternehmen die vereinfachten Verfahren nicht anwenden können, die PKP PLK haben, z. B. Entscheidungen über den Standort einer Eisenbahnstrecke. Infolgedessen dauert die Einrichtung eines solchen Anschlusses oft mehrere Jahre. Es werden daher sogar vorübergehende Lösungen mit begrenzter Stromversorgung erwogen, wenn der vollständige Energieanschluss noch nicht fertig ist.
Offenbar möchte PKP PLK v. a. kurze Netzlücken schließen, z. B. Zgorzelec – Lubań, sowie weitere Abschnitte in Metropol- und Agglomerationsgebieten elektrifizieren, wo Potenzial für die Entwicklung des regionalen Verkehrs besteht, z. B. Nasielsk – Płońsk, Poznań – Wągrowiec, Rogoźno Wlkp. – Wągrowiec. Um Wągrowiec sind die Dieseltriebzüge aktuell nicht in der Lage, den wachsenden Fahrgaststrom zu bewältigen. Die Elektrifizierung würde zusammen mit der kürzlich unterzeichneten Elektrifizierung der Verbindungen Wągrowiec – Kcynia – Nakło und Kcynia – Szubin – Bydgoszcz den Einsatz von elektrischer Traktion auf der Strecke Poznań – Wągrowiec – Nakło – Bydgoszcz ermöglichen und zusätzlich eine alternative Strecke für Güterzüge nachts in Richtung Häfen schaffen, eine Alternative zum heutigen Korridor durch Gniezno und Inowrocław.
Bisher nicht genannt wurde allerdings Kostrzyn – Krzyż – Piła (der Abschnitt Czersk – Tczew soll bis 2035 unter Strom stehen), obwohl dort eine vergleichbare Situation besteht und Gorzów Wlkp. die einzige Provinzhauptstadt ohne Elektrifizierung ist. Laut einer Ankündigung von PKP PLK wird dies frühestens in zehn Jahren geschehen (https://www.asta24.pl/2026/01/08/elektryfikacja-waznej-linii-kolejowej-najszybciej-za-10-lat).
Bereits in den Jahren 2025–2030 werden über 4 Mrd. PLN (950 Mio. EUR) für die Elektrifizierung von über 1000 km Eisenbahnstrecken investiert. Dazu gehören z. B. die Strecken Podłęże – Piekiełko, Nowa Wieś Wlk. – Gdynia, Strecken zum geplanten Kernkraftwerk Kopalino, Kępno – Oleśnica, Szczecin – Tantow (Gr), Tunneldurchmesser Łódź, Flughafenstrecke Modlin, Hafenbahn Police. Zusätzlich sind Elektrifizierungen auch im Kolej Plus-Programm enthalten, z. B. bei den Strecken Śrem – Czempiń, Piotrków Tryb. – Bełchatów – Bogumiłowo, Legnica – Złotoryja, Ostrów Maz. – Małkinia.
Es soll demnächst eine Rahmenvereinbarung zur Analyse der Stromversorgung und Elektrifizierung von über 1000 Kilometern des Netzes geben. Der nächste Schritt wird auch die Suche nach Finanzierungsquellen sein. Investitionsprogramme, die aus dem Staatshaushalt finanziert werden, werden in der Regel im Zeitraum von 18 bis 24 Monaten festgelegt.
Die Kosten für die Elektrifizierung von einem Kilometer Eisenbahnstrecke liegen derzeit bei 4 Mio. PLN (0,95 Mio. EUR) für eine eingleisige bzw. 5,2 Mio. PLN (1,24 Mio. EUR) für eine zweigleisige Strecke, wobei PKP PLK nur maximal 62,5 % der Anschlusskosten tragen, der Rest fällt auf PGE Energetyka Kolejowa.





