Am 17.07.2025 wurde der Huckepackverkehr der „Autoroute Ferroviaire“ Cherbourg – Bayonne für Sattelauflieger von Brittany Ferries von Unternehmenspräsident Jean-Marc Roué, Verkehrsminister Philippe Tabarot und Irlands Botschafter in Frankreich, Niall Burgess, eröffnet.
Nach Testläufen im Frühjahr 2025 startete das Produkt im Mai 2025 mit drei wöchentlichen Rundläufen. Nach Zugang einer weiteren Wagengarnitur wurde ab Juli auf 4 x pro Woche verdichtet. Bis Dezember soll die Ausweitung auf 6 x pro Woche erfolgen.

Jeder Zug kann 36 Sattelauflieger in Taschenwagen des Herstellers Lohr befördern, jährlich sollen so 25.000 Lkw-Fahrten von den französischen Straßen auf die Schiene verlagert werden. Die meisten Lkw fahren vom Terminal Bayonne weiter nach Spanien. Der Zugfahrplan ist auf die Fähren zwischen Cherbourg und Rosslare ausgelegt. Seit dem Brexit verzeichnet Brittany Ferries einen Anstieg des Lkw-Verkehrs auf dieser Strecke von 20.000 auf über 90.000 Lkw pro Jahr. Hauptkunde des Zuges ist LKW WALTER mit mehr als 50 % des Aufkommens.
In Cherbourg wurde neben dem Gare Maritime (Fährterminal) und weniger als einen Kilometer von den Fährverladerampen entfernt ein komplett neues Umschlagterminal errichtet. Dieses kann 750 Meter lange Züge aufnehmen, wobei das Lohr-System das gleichzeitige Be- und Entladen von 12 Trailern ermöglicht. Die Kosten des Terminals beliefen sich auf 11,2 Mio. EUR und wurde von Ports de Normandie, der EU, der Region Normandie, dem Département Manche und dem Ballungsraum Cherbourg finanziert. Die Wiederanbindung des Hafens an das nationale Netz erforderte weitere 3,9 Mio. EUR, die von Ports de Normandie und der Zentralregierung finanziert wurden.
Der Bau des Terminals und die Erneuerung der Gleise zum Bahnhof Cherbourg wurden von NGE im Auftrag von SNCF Réseau durchgeführt. Ports de Normandie verhandelt derzeit mit SNCF Réseau über die Übernahme des Hafennetzes. Brittany Ferries nutzt die 2022 gegründete Tochtergesellschaft BAI Rail für das Operating der Züge. Das Unternehmen ist auch Eigentümer der Waggons und beauftragt die SNCF-Tochter Captrain France mit der Traktion. BAI steht übrigens für Bretagne Angleterre Irlande [Bretagne England Irland].
In der ersten Inbetriebnahmephase wird die Leistung mit Dieselloks bespannt und zwischen Poitiers und Bordeaux aufgrund der Tunnelbegrenzung auf der historischen Hauptstrecke über Niort umgeleitet. Ab 2027 soll zwischen St. Pierre-des-Corps (Tours) und Bayonne elektrisch gefahren werden. Zum gleichen Zeitpunkt ist die Inbetriebnahme eines eigenen Terminals in Mouguerre bei Bayonne geplant. Derzeit muss der Zug in Mouguerre geteilt werden, um den Umschlag zu ermöglichen.
Die Inbetriebnahme erfordert insgesamt Investitionen von über 80 Mio. EUR – neben dem Terminal in Cherbourg und der Reaktivierung des Gleises zum Hafen kommen 19 Mio. EUR vom Staat für das neue Terminal in Mouguerre hinzu. SNCF Réseau hat eine Erweiterung des Lichtraumprofiles zwischen Caen und Tours für 3 Mio. EUR durchgeführt und investiert 30 Mio. EUR in die Erweiterung von vier Tunneln auf B+ auf der Hauptstrecke Poitiers – Bordeaux. Brittany Ferries orderte für 14 Mio. EUR 47 Doppelwaggons.


